Der Feind meines Feindes…

Ich mag eigentlich die FDP nicht. Zu oft setzen sich Politiker aus diesem politischen Spektrum für Ziele ein, die nur wenigen Reichen dienlich sind und die Schere zwischen arm und reich weiter öffnen würden – im Namen einer „Freiheit“, deren begrifflicher Gehalt oft fragwürdig ist. In manchen Situationen jedoch erweist sich der politische Widersacher auf einmal als überaus interessenkonform getreu dem Motto der Feind meines Feindes ist mein Freund. So auch diesmal: Angesichts der Gefahr einer fast völligen Aufweichung grundgesetzlicher Rechte und dem Datenschutz-GAU, der einer positiven Abstimmung zum umstrittenen Gesetz der Vorratsdatenspeicherung heute im Bundestag folgen würde, hat sich ein bewährtes Kampftrio der mächtigen Randgruppe erneut formiert und in Stellung gebracht, um dem Datenkraken juristisch die Luft abzuschnüren.

Wohlan! Auf dass der Feldzug gelinge!

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Morphische Felder

Die Monate sind ins Land gezogen, Lady von Schattenfels hat das Labyrinth und sich selbst nicht überwinden können und die Gäste im Palazzo werden rarer. Es ist die Jahreszeit der melancholischen Einkehr, die nun anbricht, die einem als kalter Atem unter das Bettzeug kriecht, die ihren Tribut fordert, unerbittlich und dunkel.

Am Vormittag noch hatte ich nur düstere und verachtende Gedanken für die Menschheit im Allgemeinen übrig, die ich widerwillig zu Papier brachte. Doch als ich dann von dem mordenden Jüngling aus dem Norden in der Zeitung las, da erschrak ich ob der Gleichzeitigkeit dieser Ereignisse. War dies das Phänomen eines morphischen Feldes? War eine so große Trübseligkeit über weite Teile vieler Länder hinweg gezogen, dass sie bei den weniger resistenten Betroffenen zu einem Ausbruch derartiger Gewalt führte? Oder war es doch nur Zufall?

Ausgerechnet Finnland hat es erwischt, den Klassenprimus der Pisa-Studie. Jetzt werden wieder Horden von „Fachleuten“ zu rätseln beginnen, es werden wieder all die altbekannten Erklärungsmuster hervorgeholt werden, und sie werden wieder nicht ganz passen auf den Einzelfall, aber ausreichen, um die Presse zu beruhigen. Es wird eine Form geistiger Verwirrung unterstellt werden, die zwar nicht das Prädikat einer vollwertigen psychischen Störung erhält, aber ausreichend „unnormal“ ist, sodass sich niemand ernsthaft Sorgen machen muss, hier ein größeres Problem oder gar einen Trend zu sehen, der sich nicht wegerklären lässt – einen Hang zu irrationaler Selbstjustiz.

Es ist ein trauriger Tag, der jetzt zuende geht. Angesichts all der anderen bedrückenden Nachrichten aus der ganzen Welt kann ich nur hoffen, dass sich die dunklen Wolken dieser furchtbaren morphischen Entität bald wieder verziehen.

Die Lady und der Tramp

Lady Anastasia von Schattenfels hat mir einen Brief geschrieben! Offenbar ist es ihr gelungen, den geheimnisvollen Pfad zu meinem verwunschenen Palazzo ausfindig zu machen und einen Boten durch das schützende Labyrinth zu schicken. Sie hat also das Rätsel gelöst, dass ich ihr als Hinweis gegeben hatte.

Ich fühle mich wie ein Jüngling. Sie möchte mich treffen, doch ist der Termin noch ungewiss, denn wichtige Geschäfte halten sie ab. Voller Vorfreude und Aufregung betrachte ich oft versunken ihr Porträt in meiner Galerie und manchmal überkommt mich sogar der plötzliche Wunsch, es zu küssen. Ich erwarb es erst kürzlich von einem reisenden Händler, der sich verirrt hatte, und sie weiß nicht, dass ich es besitze. Ich vermute, dass es schon vor ein paar Jahren geschaffen wurde, doch der Schönheit dieses Gesichts könnten selbst Jahrzehnte nichts anhaben – dessen bin ich mir gewiss.

Ich werde jeden Moment genießen, den ich in ihrer Nähe sein kann, auch wenn ich weiß, dass ich ihrer nicht würdig bin. Ein Verbannter in einem verwunschenen Palast und eine Lady ihres Ranges, dekoriert mit Titeln, höchsten gesellschaftlichen Verbindungen und Verpflichtungen – das kann nicht gutgehen. Mir wird nur der Moment bleiben – und ihre Briefe.