Die virtuelle Spur

Über 800.000 Blogs werden alleine auf dieser Plattform geschrieben, die Zahl der weltweiten Schreiberlinge dürfte bald in den zweistelligen Millionenbereich gehen (wenn das nicht schon längst der Fall ist). Was ist es, das die Menschen zum schriftlichen Berichten bringt? Und wer liest das alles? Wird hier vielleicht ein Mangel an gewünschter Kommunikation kompensiert? Oder der Wunsch verfolgt, irgendwo in der Welt eine Spur zu hinterlassen, die vielleicht mehr der eigenen Idenität zu entsprechen scheint als im Real Life? Sind das die ersten Ausläufer der Matrix? Eine Gedankenwelt, die nur noch fragmentarisch die Grenzen des virtuellen Raums verlässt?

Ich neige nicht zum frühzeitigen Jubeln über die neue Kommunikationswelt und ihre Möglichkeiten, auch wenn ich sie gerne nutze und mit ihr herumexperimentiere. Ich bin kein Early Adapter – jedenfalls nicht in meinem Selbstverständnis. Mir scheint diese ganze Entwicklung eher die Folge eines Mangels zu sein, der seinerseits wieder eine Folge der technischen Entwicklung sein könnte. Ein sich selbst speisendes Monstrum ähnlich einem Hurrikan, der zunächst viel Wind um (buchstäblich) Nichts macht, alles mitreißt und sich schließlich selbst auflöst. Zurück bleiben als Spur nur die Trümmer. Ein nicht besonders fröhliches Bild, ich weiß. Aber die Erfahrung hat mich Skepsis gelehrt. Ich beobachte und denke lieber nach, anstatt mich gleich blindlinks mit dem Strom reißen zu lassen. Aber eine solche Haltung gilt heute als ökonomisch tödlich: Wer gewinnen will, muss sofort mitschwimmen, der Erste sein, ganz vorne, er darf den Anschluss nicht verpassen.

Welchen Anschluss?

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