Die Veranda

Veranda

Lasst uns einfach ein wenig durchatmen und den Ausblick genießen…

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Eingang zum Kellergewölbe

Igor am KellereingangUnd hier kommen wir zum Eingang des Kellergew…

Was meinen Sie bitte?
Ach so!
Das ist nur Igor. Beachten Sie ihn am besten gar nicht. Er versucht immer, eine besondere Atmosphäre zu schaffen, um damit sein Trinkgeld aufzubessern.

Lassen Sie ihn einfach links liegen und folgen Sie mir die Stufen hinab.

Der Oheim und die Mauern

Es lässt mich einfach nicht los. Schon zwei Stunden schleiche ich virtuell um meine Schatulle herum und überlege, ob ich etwas hineinlege. Es ist eine paradoxe Schatulle, und das irritiert mich nach wie vor: Wenn ich etwas hineinlege, dann kann es theoretisch jeder sehen. Nur wenn ich es nicht hineinlege, dann bleibt es geschützt und geheim. Warum sollte ich also etwas wertvolles hineintun? Das verfehlt ja total den Sinn eines Schatzkästchens…
Der Oheim hatte gestern Geburtstag. Am Telefon klang er ganz munter, hatte sich ein Süppchen gekocht und der Dinge geharrt, die da noch am ausklingenden Tage kommen würden. Er lebt von Tag zu Tag, sagt er, seit es für ihn nicht viel mehr Zukunft gibt als den jeweils nächsten Tag. Ich denke oft an ihn, aber ich besuche ihn fast nie, deshalb habe ich manchmal ein extrem schlechtes Gewissen. Ein Eigenbrödler war er schon immer, um Hilfe hat er nie gebeten und wollte das auch nie. Alter Dickkopf. Ich mag ihn. Das Schicksal hat ihm schwer zugesetzt, aber er trotzt den Pfeilen noch immer – und das mit einer Vehemenz, die seinesgleichen suchen muss. Sein Lebenswille ist ungebrochen, soweit ich das mitbekomme, auch wenn er immer mehr auf den Rollstuhl angewiesen ist.
Ich glaube, wir leben beide am liebsten in unseren eigenen, kleinen Reichen, auch wenn er schon viel mehr von der Welt gesehen hat als ich – und das wohl auch genossen und ausgekostet hat. Bei mir hat es leider noch nicht dazu gereicht, aus welchen Gründen auch immer. Eines Tages werde auch ich es schaffen, mein Verlies zu verlassen – das klingt komisch. Ich meine die virtuellen Gemäuer endlich hinter mir zu lassen, die mich gefangen halten in meinem kleinen Aktions- und Lebensradius.
Noch glaube ich daran.