Die Lady und der Tramp

von Doc Montresor

Lady Anastasia von Schattenfels hat mir einen Brief geschrieben! Offenbar ist es ihr gelungen, den geheimnisvollen Pfad zu meinem verwunschenen Palazzo ausfindig zu machen und einen Boten durch das schützende Labyrinth zu schicken. Sie hat also das Rätsel gelöst, dass ich ihr als Hinweis gegeben hatte.

Ich fühle mich wie ein Jüngling. Sie möchte mich treffen, doch ist der Termin noch ungewiss, denn wichtige Geschäfte halten sie ab. Voller Vorfreude und Aufregung betrachte ich oft versunken ihr Porträt in meiner Galerie und manchmal überkommt mich sogar der plötzliche Wunsch, es zu küssen. Ich erwarb es erst kürzlich von einem reisenden Händler, der sich verirrt hatte, und sie weiß nicht, dass ich es besitze. Ich vermute, dass es schon vor ein paar Jahren geschaffen wurde, doch der Schönheit dieses Gesichts könnten selbst Jahrzehnte nichts anhaben – dessen bin ich mir gewiss.

Ich werde jeden Moment genießen, den ich in ihrer Nähe sein kann, auch wenn ich weiß, dass ich ihrer nicht würdig bin. Ein Verbannter in einem verwunschenen Palast und eine Lady ihres Ranges, dekoriert mit Titeln, höchsten gesellschaftlichen Verbindungen und Verpflichtungen – das kann nicht gutgehen. Mir wird nur der Moment bleiben – und ihre Briefe.

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