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Doc Montresors Palazzo

Kategorie: Café

Der Feind meines Feindes…

Ich mag eigentlich die FDP nicht. Zu oft setzen sich Politiker aus diesem politischen Spektrum für Ziele ein, die nur wenigen Reichen dienlich sind und die Schere zwischen arm und reich weiter öffnen würden – im Namen einer „Freiheit“, deren begrifflicher Gehalt oft fragwürdig ist. In manchen Situationen jedoch erweist sich der politische Widersacher auf einmal als überaus interessenkonform getreu dem Motto der Feind meines Feindes ist mein Freund. So auch diesmal: Angesichts der Gefahr einer fast völligen Aufweichung grundgesetzlicher Rechte und dem Datenschutz-GAU, der einer positiven Abstimmung zum umstrittenen Gesetz der Vorratsdatenspeicherung heute im Bundestag folgen würde, hat sich ein bewährtes Kampftrio der mächtigen Randgruppe erneut formiert und in Stellung gebracht, um dem Datenkraken juristisch die Luft abzuschnüren.

Wohlan! Auf dass der Feldzug gelinge!

Der Künstler vom Amt

Das Amt hat mir einen Kunstmaler geschickt, der mir beim Betreiben des Cafés helfen soll. Er stellte sich freundlich bei mir vor, doch als ich ihn in die täglichen Arbeitsabläufe und Notwendigkeiten des Cafébetriebs einweisen wollte, erwiderte er, dass er sich das ganz anders vorgestellt habe und nach einer Möglichkeit suchen wolle, seine speziellen kreativen Fähigkeiten in das Projekt einbringen zu können, um es auf diese Weise zu bereichern. Die darauf folgenden Vorschläge waren nicht alle von der Hand zu weisen und sicherlich sehr visionär, doch ich konnte beim besten Willen nicht verstehen, inwiefern die Versorgung meiner Gäste mit einer selbstproduzierten Privatsendung zum Thema „Die Welt aus der Perspektive des Cafépersonals“ aus einem extra aufgestellten Monitor eine „Bereicherung“ darstellen würde.

Seine Argumentation ging dann in die Richtung, dass die Sendung auch weltweit gesehen werden könne und daher mehr Gäste in mein Café locken würde, denn immerhin würde er als Produzent dieser Sendung ja hier arbeiten und die Menschen hätten sicherlich ein großes Interesse daran, zu sehen wo und wie er arbeite.
Das schien mir an irgendeiner Stelle nicht ganz schlüssig, aber ich konnte nicht genau sagen, an welcher. Als ich ihn fragte, wozu er denn überhaupt im Café arbeiten müsse, wenn er ein so großartiges Projekt hätte, öffnete er den Mund zur Erwiderung und hielt dann inne, als sei er über etwas gestolpert. Bevor er weiterreden konnte, drückte ich ihm ein Tablett mit abgeräumten Geschirr in die Hand und sagte: „Das da, das kommt in die Spülmaschine, die steht in der Küche und die Küche ist da hinten.“

So ließ ich ihn stehen und ging erstmal in den Keller, um Igor seinen Espresso zu bringen.

Die virtuelle Spur

Über 800.000 Blogs werden alleine auf dieser Plattform geschrieben, die Zahl der weltweiten Schreiberlinge dürfte bald in den zweistelligen Millionenbereich gehen (wenn das nicht schon längst der Fall ist). Was ist es, das die Menschen zum schriftlichen Berichten bringt? Und wer liest das alles? Wird hier vielleicht ein Mangel an gewünschter Kommunikation kompensiert? Oder der Wunsch verfolgt, irgendwo in der Welt eine Spur zu hinterlassen, die vielleicht mehr der eigenen Idenität zu entsprechen scheint als im Real Life? Sind das die ersten Ausläufer der Matrix? Eine Gedankenwelt, die nur noch fragmentarisch die Grenzen des virtuellen Raums verlässt?

Ich neige nicht zum frühzeitigen Jubeln über die neue Kommunikationswelt und ihre Möglichkeiten, auch wenn ich sie gerne nutze und mit ihr herumexperimentiere. Ich bin kein Early Adapter – jedenfalls nicht in meinem Selbstverständnis. Mir scheint diese ganze Entwicklung eher die Folge eines Mangels zu sein, der seinerseits wieder eine Folge der technischen Entwicklung sein könnte. Ein sich selbst speisendes Monstrum ähnlich einem Hurrikan, der zunächst viel Wind um (buchstäblich) Nichts macht, alles mitreißt und sich schließlich selbst auflöst. Zurück bleiben als Spur nur die Trümmer. Ein nicht besonders fröhliches Bild, ich weiß. Aber die Erfahrung hat mich Skepsis gelehrt. Ich beobachte und denke lieber nach, anstatt mich gleich blindlinks mit dem Strom reißen zu lassen. Aber eine solche Haltung gilt heute als ökonomisch tödlich: Wer gewinnen will, muss sofort mitschwimmen, der Erste sein, ganz vorne, er darf den Anschluss nicht verpassen.

Welchen Anschluss?